Am, im und auf dem Ulmer Münster sowie an Eingängen zu Geschäften, Musikschulen und der Gastronomie – überall findet man in Ulm einen Spatz. Selbst auf den Wegweisern von Radwanderwegen und als Laugengebäck ist der Ulmer Spatz erkennbar. Doch wie kam es dazu, dass die Bevölkerung sich mit einem kleinen Vogel identifiziert. Die Mär vom Ulmer Spatz ist ebenso imposant, wie märchenhaft und regt durchaus zum Schmunzeln an.

Die Sage vom Spatz von Ulm gleicht einem Schildbürgerstreich aus dem Ulmer Mittelalter um die Jahre unmittelbar nach 1377. Ja, natürlich hat auch der kleine Haussperling etwas mit dem Bau des Ulmer Münsters zu tun. Denn es soll sich zugetragen haben, als der Münsterbau begonnen hatte. Damals, als die Arbeiter das Material von weit außerhalb der Stadtmauern mühsam heranschaffen mussten.

Für den Aufbau des Kirchendaches benötigte der Baumeister besonders starke und vor allem lange Holzbalken. Die Baugehilfen transportierten die Baumstämme dafür quer auf ihren einfachen Karren liegend Richtung Stadt. Doch am Stadttor mussten sie innehalten, denn sie kamen nicht hindurch. Was sie auch versuchten mit den Karren, mehr rechts oder doch mehr nach links, sie passten einfach nicht durch das Tor. Die ganze Bürgerschaft lief zusammen und versuchte eine Lösung des Problems zu finden. Man hatte gerade daran gedacht, ein Stück der Mauer einzureißen, um so mit den querliegenden Bäumen durch die dann größere Öffnung zu kommen.

Dieses Vorhaben verhinderte ein kleiner Spatz, der just in diesem Moment angeflogen kam. Aufmerksam sahen die Umstehenden dem kleinen Vogel zu, wie er geschickt einen Zweig, den er im Schnabel trug, durch eine kleine Mauernische zu seinem dahinter liegenden Nest brachte. Nämlich einfach hochkant durch den engen Schlitz. Dieses Schauspiel machten die Ulmer nun nach. Legten die Baumstämme längs auf die Karren und fuhren damit durch das Tor bis zur Münsterbaustelle.

Zur Freude und zum Dank widmeten die Ulmer dem Spatz ein Denkmal. Seither sitzt dieser kleine Vogel mit dem Zweig im Schnabel auf dem Münsterdach und gilt als das Ulmer Symbol.

Beweise für diese Geschichte gibt es allerdings nicht. Die Nachverfolgung der Lengede endet im 19. Jahrhundert. Ältere Funde, dass sich die Geschichte so im Mittelalter zugetragen hat, sind nicht vorhanden. Doch immer wieder auch in der jüngeren Geschichte findet der Spatz einen Bezug zum Ulmer Münster.

Erst im Jahr 2001 gab es eine große Aktion zur Restaurierung des Münstersüdturms. Bei der Kunstaktion „Spatzeninvasion“ wurden 275 Spatzen gestaltet und verteilt in der Stadt aufgestellt, die anschließend versteigert wurden. Über 350.000 Euro erbrachte die Auktion zugunsten des Turms. Einige der bunten Vögel sind daher noch an manchen Orten der Stadt zu finden. Auch viele Vereine verwenden das Markenzeichen „Ulmer Spatz“ in ihren Namen. Das Denkmal, der sagenhafte Originalspatz, sitzt jedoch geschützt in einer Glasvitrine im Ulmer Münster und kann dort bestaunt werden.

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