Ulm ist außergewöhnlich, dies wird in vielen Bereichen deutlich, schaut man sich die lange Geschichte der Donaustadt an. Viele besondere Wahrzeichen, Traditionen und ehrwürdige Gebäude sind über Jahrhunderte erhalten geblieben und stehen heute für die erfolgreiche Geschichte von Ulm. Hierzu gehört auch das malerische Rathaus von Ulm. Aber warum regieren die Ulmer Ratsherren eigentlich in einem Kaufhaus?

Der heutige Nordflügel des Rathauses, war ursprünglich das Kaufhaus der reichen Handelsstadt Ulm. So belegen es die Dokumente aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Im umschlagskräftigen Ulm wurde hier mit wertvollen Waren wie Eisen, Stoff und Salz gehandelt. Dieser gut laufende Handelsplatz wurde rasch erweitert und der Ostflügel kam hinzu. Dieser beherbergte die große Markthalle, in der die Produkte des Handwerks zu finden waren. Ein wichtiger Platz also im Zentrum der Reichsstadt. Um auch die politische Macht direkt aus dieser aufstrebenden Stadtmitte ausüben zu können, wurde aus dem Kaufhaus zunächst ein Gerichtsgebäude. Dieses wurde etwas später durch einen Ratssaal erweitert.

Seit 1419 wird das Gebäude als Rathaus der Stadt bezeichnet. Die hohen Herren verkündeten seither von der Kanzel auf der östlichen Seite des Gebäudes ihre Ratsinformationen und verlasen Todesurteile für die in den Kellergewölben inhaftierten Querdenker ihrer Zeit. Der kleine, an der südöstlichen Ecke des Rathauses hängende Erkerturm, war für die Verräter unter den Ratsmitgliedern reserviert. Plauderten sie zu viel über die Beschlüsse des Rates aus, wurden sie zur Strafe hier eingesperrt. Damit konnten sie bewacht von den steinernen Figuren an den Ratsfenstern, welche Kaiser, Könige und Kurfürsten darstellen, ihre Taten bereuen.

Aber nicht nur die Bauabschnitte und Figuren an den Fenstern stehen für die beeindruckende Geschichte Ulms. Auch die umfassend bemalte Fassade des Rathauses erzählt von biblischen Ereignissen, von der römischen Mythologie und großen Herrschern sowie den Symbolen der Ulmer Wahrzeichen. Die Fassadenmalerei liest sich praktisch wie ein bebildertes Buch alter Zeiten.

Die nördliche und östliche Fassadenverzierung stammt vom Ulmer Künstler Martin Schaffner und gilt deutschlandweit als einzigartig. Vor aller sein aufgemalter Spruch „Viele Gesetze können wir mit dem Spinnennetz vergleichen, das starken Wespen nicht schadet, das aber viele kleine Fliegen tötet“, ist legendär und lässt den Betrachter auch heute noch anerkennend Nicken.

Ebenso bedeutend ist ein Relikt, welches trotz kriegerischer Zerstörungen und mehrfacher Reparaturen und Sanierungen all die vielen Jahrhunderte überlebte. Es handelt sich um eine ins Glas des Ratsfensters eingearbeitete Sonnenuhr. Wobei diese auf der östlichen Seite des Rathauses angebracht ist und somit logischer Weise nur die Sonnenzeit des Vormittags anzeigen kann. Daraus lässt sich schließen, dass die damaligen Ratssitzungen bis zum Mittag beendet sein sollten, was aber vermutlich nicht immer funktionierte.

In jedem Fall ist die erhaltene Fenster-Sonnenuhr aber um ein Vielfaches einfacher zu verstehen, als die an der Ostseite angebrachte astronomische Uhr aus dem Jahr 1520. Zweifellos ein Schmuckstück, allerdings sind ihre 14 unterschiedlichen Funktionen nicht ganz einfach zu durchschauen. Aber dies ist eine ganz andere Geschichte von unser Ulm.

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